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Elektronischer Sound, akustische Live-Musik, Körperbewegung, Gesang und Sprache werden miteinander zu einer Performance komponiert.

Die Sintflut ist ein Mythos von gewaltiger Zerstörung und Neubeginn. Im Gilgamesch-Epos, in der Bibel, in der griechischen Mythologie und in vielen anderen Mythen der Welt widerruft Gott oder widerrufen die Götter in ihrem Zorn die Schöpfung - vor allem, den Menschen. Mit einer mächtigen Geste wischen sie über den Tisch und machen auf der Welt, die nun aufgebaut und eingerichtet ist und sich im Orbit befindet, eine Tabula rasa. Der Anfang, das Chaos kehrt zurück, die Himmel stürzen ein, die mythischen Flüsse von Eden überschwemmen, die Wasser unter und über der Feste vermischen sich wieder, und die Erde steht unter der Herrschaft des Wassers. Das Chaos ist das des Wassers, mit seinem schrecklichen Gewicht und seiner zerstörerischen Kraft der Tiefe - es ist auch eine Chance zum Überleben und für einen Neuanfang. Das Chaos war schon immer wässrig, oder? Erinnerst du dich?

Es wurde alles so hart. Was alles wurde, wie die Welt wurde, wie unser Leben wurde. Was kann getan werden und was ist wert, getan zu werden. Es ist, als driftete alles ab. Alles driftet ab.

Zweiter Versuch. Aus dem Wasser, durch das Wasser, kann vielleicht etwas hinübergebracht werden. Vielleicht klappt es beim zweiten Mal besser.
Wie kann ich überleben? Wie kann ich leben? Was nehme ich mit? Brauche ich überhaupt etwas? Achte ich und passe ich auf oder schlafe ich, verschlafe ich das Ende der Welt, so wie ich mein ganzes Leben verschlafen habe? Was gibst du mir, Meer, nachdem du mich aus dir hinausgeworfen hast: den ersten Schrei, das Weinen, den Ruf: meine Stimme? Und einen Namen, auf den ich hören werde?

In der Ferne nähert sich ein Qualm. Ein gestreuter, dampfiger Nebel, ein graugrüner Dunst, ein schimmerndes, quellenloses Licht. Unaufhaltsam wirbelnd, sein Klang schwingt tief und schwebt metallisch hoch zugleich, sein Tempo ist zerfleischend langsam und unvorstellbar, unbegreiflich schnell. Es ist in der Ferne, aber es steigt. Es ist weit weg, aber es breitet sich aus.
Es ist über uns.
Es ist hier.

Text: Eszter Parragi

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Kopie von SINTFLUT Plakat (7).png

Künstlerische Leitung/Inszenierung: Eszter Parragi

Konzept/Performance: Eszter Parragi, Dahlia Nyx, Katarzyna Wieczerzak

Elektronische Musik: Lutz Gallmeister

Live-Kamera: Bernd Kumar

Premiere: 09.06.2022, ACUD Theater Berlin

THEATER PUR (Artikel): "Eindringliche Bilder und existenzielle Fragen" 

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